Im Rahmen des Projekts „Jenseits von Hilfe?“ wurden zwischen Juli und August 2025 mehrere Workshops und Diskussionsrunden organisiert, um Räume für Reflexion und Austausch über koloniale Kontinuitäten, dekoloniale Perspektiven und Alternativen zu traditionellen Entwicklungsmodellen zu schaffen.
3. Juli 2025 : Auftaktworkshop: „Einführung in koloniale Kontinuitäten in der Entwicklungspolitik“
Der erste Workshop markierte den offiziellen Start des Projekts „Jenseits von Hilfe?“ und schuf einen offenen Raum für gemeinsame Reflexion. Unter der Leitung von Andrey Noukeu setzten sich 24 Teilnehmende mit den historischen Wurzeln heutiger globaler Machtverhältnisse auseinander. Im Fokus standen die Zusammenhänge zwischen Kolonialismus, Ressourcenextraktion und den heutigen Formen von Entwicklungshilfe.
Aufbauend auf dieser ersten Auseinandersetzung mit den historischen und strukturellen Zusammenhängen wurde die Reflexion im zweiten Workshop vertieft:
In Kleingruppen wurden Fragen diskutiert wie: Welche kolonialen Strukturen wirken in heutigen Projekten weiter? und Wie lassen sich Solidarität und Verantwortung neu denken?
Die Teilnehmenden betonten, wie wichtig es sei, die Sprache der „Hilfe“ zu hinterfragen und stattdessen auf gegenseitige Lernprozesse und strukturelle Gerechtigkeit hinzuarbeiten.
Diese grundlegende Reflexion wurde im folgenden Workshop durch eine vertiefte Beschäftigung mit dekolonialen Perspektiven auf Entwicklungspolitik erweitert:
10. Juli 2025 : „Dekoloniale Perspektiven auf Entwicklungspolitik: Grundlagen und kritische Reflexion“
Der zweite Workshop, geleitet von Dr. Boniface Mabanza, brachte 28 Teilnehmende zusammen, um postkoloniale Theorien, globale Gerechtigkeit und strukturellen Rassismus zu analysieren.
Durch theoretische Inputs und praxisnahe Diskussionen wurden die Teilnehmenden ermutigt, eigene institutionelle Praktiken zu hinterfragen insbesondere, wie Ungleichheiten in Projektpartnerschaften reproduziert werden.
In Gruppenarbeiten entwickelten sie Ideen für ein dekolonisiertes Leadership, für afrikanische Eigenständigkeit in Entwicklungsprozessen und für neue Narrative jenseits des westlichen Fortschrittsbegriffs.
Besonders intensiv wurde über die Frage debattiert, ob das Ende klassischer Entwicklungshilfe eher Verlust oder Chance für afrikanische Länder bedeuten würde.
Nach diesen beiden Workshops verlagerte sich der Schwerpunkt von der theoretischen Reflexion auf konkrete Beispiele und Erfahrungen aus dem Globalen Süden:
25. Juli 2025 : Erste Diskussionsrunde: „Les voix du Sud global Erfolgreiche Initiativen und Partnerschaften“
Diese erste Diskussionsrunde, moderiert von Dr. Mickael Houngbedji, brachte 38 Teilnehmende (online und vor Ort) aus verschiedenen Ländern zusammen. Im Mittelpunkt standen positive Beispiele aus dem Globalen Süden, die zeigten, wie lokale Akteur*innen selbstbestimmte Wege der Entwicklung gestalten.
Diskutiert wurde, wie Projekte aus Afrika, Lateinamerika oder Asien innovative Lösungen finden, ohne westliche Modelle zu kopieren – etwa durch gemeindebasierte Ökonomie, Bildungstransformation oder ökologische Landwirtschaft.
Viele Teilnehmende äußerten den Wunsch, erfolgreiche Süd-Süd-Kooperationen sichtbarer zu machen, um das Bild von „Hilfe“ durch das von Austausch und gegenseitiger Stärkung zu ersetzen.
Anknüpfend an diese Beispiele selbstbestimmter Entwicklungswege richtete die zweite Diskussionsrunde den Blick schließlich auf die Wissenssysteme und Philosophien des Globalen Südens:
7. August 2025 : Zweite Diskussionsrunde: „Wenn die SDGs auf Philosophien des Südens treffen“
Mit den Expert*innen Sylvie N’go Bigda und Tinos Anago richtete sich der Blick auf alternative Wissenssysteme und Philosophien des Globalen Südens. Rund 30 Teilnehmende diskutierten, wie Ubuntu (Ich bin, weil wir sind), Sumak Kawsay (Buen Vivir) und Swaraj (Selbstbestimmung und Verantwortung) neue Perspektiven auf nachhaltige Entwicklung eröffnen.
Anhand konkreter Beispiele von gemeinschaftlicher Ressourcennutzung bis zu inklusiven Entscheidungsprozessen wurde deutlich, dass diese Konzepte nicht nur kulturelle Traditionen darstellen, sondern praktische Modelle für ökologische und soziale Gerechtigkeit sind. Diese Veranstaltung war zugleich ein Höhepunkt des Projekts: Sie verband kritisches Denken, spirituelle Tiefe und strategische Weitsicht zu einem inspirierenden Dialog.